Immerhin, ein Bürgerhaus möchte man dann doch wieder haben, darin waren sich die Mitglieder des Kulturausschusses einig. Gebannt lauschten die Koryphäen und Bewahrer der heimischen Kultur dem Vortrag eines bewusst seriös wirkenden Beraters der Firma Wenzel-Consulting. Dieser breitete vor den Anwesenden einen Teppich von vermeintlichen Fakten aus, auf dem sie weich und angenehm sich niederlassen konnten. Das Areal gegenüber dem Rathaus mit dieser aus seiner Sicht einzigartigen Verkehrsanbindung für auswärtige Besucher schien ihm das geeignete.
Schon bewarf er die Anwesenden mit Zahlen über die zukünftigen Besucherströme und Gäste. Geradezu ein Glücksfall sei die Lage der Stadt Troisdorf zwischen all ihren Nachbarstädten. Wie eine Perle, deren Wert man bisher nur falsch in der Auslage ausgezeichnet hatte. Virtuos beschrieb er nun den Zweckbau den es zu errichten galt um allen modernen Anforderungen einer solchen Stätte der Kunst und Kultur gerecht zu werden. Alle Räume sollten zweckmäßig und für alle Wünsche der künftigen Mieter gewappnet sein, waren seine Vorgaben. Wo heute ein Tanzabend stattfinden könnte sollte morgen eine Theatergruppe proben können, am nächsten Tag würde vielleicht ein Seminar stattfinden um am darauffolgenden Abend die Kulisse einer brasilianischen Bar wieder zu geben. Dieses sollte nicht nur den kleineren Räumen auferlegt werden, auch der große Saal, der nicht nur als die Heimstatt des Troisdorfer Karnevals dienen sollte, in dem auch Messen jeglicher Art abgehalten, auch Schwarze, und gefeiert werden könnten, sollte möglichst keine feste Bühne erhalten. Alles sollte möglich sein. Die bewegliche Bühne, scheinbar ein Steckenpferd des Vortragenden, sollte dem Raum zu neuem Glanz und jeglicher Interpretation verhelfen. Gekonnt nahm er das Publikum mit und verschob die Bühne von einer Seite auf die andere und ließ sie gleich einem Varieté Künstler in der Mitte des Raumes neu entstehen. Fast schien es, dass man sie auch frei schwebend unter der Decke anbringen konnte. Geradezu sprachlos wirkten die Anwesenden über so viele Gestaltungsmöglichkeiten. Ein Sakralbau der Modernität entrollte sein Banner vor den gebannt lauschenden Mitgliedern der obersten Instanz des guten Geschmacks.
Als Erster fand der Vertreter der SPD zurück in die Realität. Das Wort „modern“ fand nicht seine Zustimmung, gerne hätte er nun eine Grundsatzdebatte über diesen Begriff geführt. Gerade als er nun die virtuelle Bühne beschreiten wollte und zu einem längeren Redebeitrag ansetzen wollte, unterbrach ihn der Referent und ersetzte den Begriff „modern“ mit „Zeitgemäß“. Dankbar schauten ihn etliche der Anwesenden an, schienen sie doch des Öfteren die Opfer der geistigen Ergüsse des SPD Vertreters geworden zu sein. Nun ergriff auch die CDU-Vertreterin die Gunst der Stunde und versuchte mit einfühlenden Worten der größten Oppositionspartei entgegen zu kommen. Noch etwas verschnupft über die ihm genommene Gelegenheit vor größerem Publikum sich selbst und das Universum darzustellen, besann er sich nun seiner eigentlichen Aufgabe und warb dafür dass der zukünftige Betreiber entweder die Stadt oder einer ihrer Gesellschaften sein müsse. Auch dieses fand die Zustimmung der CDU. Der Antrag wurde formuliert und fand seine Zustimmung. Fast schien es, als würde im Sozialausschuß eine künftige Zusammenarbeit nach der Kommunalwahl 2009 geprobt. Die Braut (SPD) zierte sich etwas, aber legte sich dann doch flach.